Interview mit Anatole Taubman über die Betreuung zu Hause

Betreuung im Alter wird diesen Winter im Kino ein Thema. Der neue Schweizer Kinohit «Wanda, mein Wunder» wirft einen humorvollen Blick auf die Schweizer Zweiklassengesellschaft sowie die Betreuung zu Hause. Caritas Care, die Betreuungspersonen vermittelt, ist offizieller Partner.

Die Betreuerinnnen von Caritas begleiten und unterstützen betagte Menschen 24 Stunden zu Hause. Sie arbeiten legal und unter fairen Bedingungen in der Schweiz. Im Film von Bettina Oberli spielt Anatole Taubman eine der Hauptfiguren. Lesen Sie das Interview mit einem der erfolgreichsten Schweizer Schauspieler und erfahren Sie, welchen persönlichen Bezug er zur Betreuung hat.

 

 

Caritas Care: Herr Taubman der Filmstart von «Wanda, mein Wunder» wurde auf den 11.3.2021 verschoben, wie geht es Ihnen in Zeiten von Corona? Wie betrifft Sie die Pandemie?

Es geht mir im Vergleich zu vielen anderen Leuten sehr gut, den Umständen entsprechend sogar blendend.  Meine zwei grossen Produktionen von diesem Jahr konnten beide trotz Corona – unter konsequenter Einhaltung der Schutzmassnahmen – erfolgreich produziert werden. Die Sets von Filmproduktionen kapseln sich in dieser Zeit total von der Aussenwelt ab und können so gewährleisten, dass maskenfrei und sicher gearbeitet werden kann. Weil als Folge der Pandemie weniger möglich ist als sonst, verspüre ich mehr Ruhe. Das kommt mir privat entgegen und stärkt meinen inneren Frieden auf angenehme Art und Weise.

 

Was ist die Hauptbotschaft von «Wanda, mein Wunder?»

Es geht um fundamentale moralische und ethische Prinzipien und darum, diese vor persönliche Begehrlichkeiten und Befindlichkeiten zu stellen. Egal, welchen Background ein Mensch hat, man muss doch ehrlich, bescheiden, tolerant und geduldig mit seinem Gegenüber sein! Ansonsten sind Konflikte programmiert. Diese werden in der Familie Gloor durch den Auftritt der osteuropäische Pflegekraft Wanda sehr akzentuiert ausgelöst. Weil dieses so elementare gesellschaftliche Thema von Bettina Oberli in einer Komödie transportiert wird, ist es enorm unterhaltend und viel zugänglicher als in einem Drama.

 

Ihre Mutter erkrankte vor langer Zeit an Alzheimer. Was für einen persönlichen Bezug haben Sie zur Pflege und Betreuung?

Meine Mutter war aufgrund ihrer Erkrankung während fast 5 Jahren auf intensive Pflege und Betreuung angewiesen. In diesem Zusammenhang habe ich live miterlebt, dass die Pflegenden die wahren Heldinnen und Helden unserer Gesellschaft sind. Denn sie stellen die persönlichen Befindlichkeiten ganz nach hinten und kümmern sich vollumfänglich um die Bedürftigen. Diese vorbildliche Einstellung hat mich schon damals stark beeindruckt.

 

In vielen angelsächsischen Filmen besetzen Sie eher bösartige Charakterrollen. Inwiefern war Ihre aktuelle Rolle in «Wanda, mein Wunder» ein Spagat?  

Anhand meiner schauspielerischen Vergangenheit ist es tatsächlich so, dass mich sehr viele Zuschauer in der Rolle des Bösen kennen. Auch die Medien bedienen dieses Stigma. Boshaftigkeit hat tausend Gesichter und ist deshalb schauspielerisch viel spannender als die Rolle des Guten. Denn diese kann viel weniger überraschen. Ich bin aber dankbar, dass ich in den letzten 10 Jahren sehr vielseitige Rollen spielen und nicht nur das Böse verkörpern durfte. Dazu gehört sicher auch die Rolle des Manfred in «Wanda, mein Wunder». Manfred ist ein nicht übertalentierter, durchschnittlicher Zeitgenosse, der fleissig und beständig seine Frau unterstützt, aber auch zu wenig Tiefgang besitzt, um die wahren Konflikte in der Familie zu benennen. Er ist ein loyaler Typ, der aber den Weg des geringsten Widerstandes geht. Er ist ganz und gar kein Bösewicht. Er vertritt eher etwas emotions- und skrupellos die Interessen der Familie Gloor.

 

Wie hat sich Ihr Bezug zur Betreuung zu Hause verändert? Welche neuen Erkenntnisse und Facetten der Thematik haben Sie durch die Filmarbeit kennengelernt?

Durch den Film habe ich das Format Altenpflege in dieser patriarchalischen Konstellation neu kennen gelernt. Der Inhalt der Betreuungs-Arbeit war mir durch die eigenen familiären Erfahrungen schon vor «Wanda, mein Wunder» bestens bekannt. Nicht nur durch meine Mutter. Wir hatten auch für die Betreuung unserer Kinder eine Nanny. Sie war ein wichtiger und integraler Bestandteil unserer Familie und hat mitgeholfen, dass wir unsere jetzigen Lebenswege gehen konnten. Dafür sind wir bis heute sehr dankbar. 

 

Könnten Sie sich je nach Lebensphase eine eigene Betreuung zu Hause vorstellen?

Ja, auf jeden Fall. Wenn ich bedürftig wäre, wäre es bestimmt ein grosser Wunsch von mir, zu Hause leben zu können. Durch die Betreuungshilfe wäre auch meine Frau entlastet. Sie könnte ihr Leben weiterleben und weniger in eine Co-Abhängigkeit geraten. Sie könnte sich somit auch noch um ihr eigenes Leben kümmern.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

Copyright: Mathias Bothor

 

Gut zu Wissen:

Anatole Taubman wirkte bis heute in über 100 Kinofilmen und TV-Produktionen mit. International bekannt wurde er u.a. durch seine Rolle als Bösewicht in Marc Forsters «James Bond –A Quantum of Solace». 2004 wurde Anatole Taubman für den Schweizer Filmpreis nominiert und erhielt 2008 den „Prix Walo“ als bester Schauspieler. Anatole Taubman ist offizieller Botschafter von UNICEF Schweiz und Lichtenstein.

 

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