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24 Stunden Betreuung während der Coronakrise: Eine Grenzerfahrung

Eine besondere Grenzerfahrung - im wahrsten Sinn des Wortes - machen Betreuerinnen und Betreuer aus Osteuropa, die als Pendelmigrantinnen in der Schweiz arbeiten. Sie sind sich gewohnt, regelmässig die Grenzen von Ost nach West zu überschreiten. Jetzt sind die Grenzen zu. Für die einen bedeutet das ungeplant lange Arbeitseinsätze in der Schweiz. Für die anderen heisst es Lohnausfall auf unbestimmte Zeit.

Mit der Coronakrise hat sich die Situation für viele Pendelmigrantinnen verschärft. Zahlreiche Betreuerinnen und Betreuer hätten in den letzten Wochen ihre Arbeitseinsätze in der Schweiz antreten sollen. Weil Grenzen geschlossen und Transportwege unterbrochen sind, stecken viele in ihren Herkunftsländern fest. Über die Schweizer Grenze kommt nur noch, wer eine Meldebescheinigung oder eine Arbeitsbewilligung vorweisen kann. Erreichen Care-ArbeiterInnen ihren Arbeitsort nicht mehr, verlieren sie oft auf einen Schlag ihr gesamtes Einkommen. «Privathaushalte können als Arbeitgeber keine Kurzarbeitsgelder beantragen», bestätigt das Staatssekretariat für Wirtschaft.
In der Schweiz fällt durch die Grenzschliessungen für zahlreiche ältere Menschen die geplante Ablösung für die Betreuerin aus. Viele Betreuerinnen und Betreuer haben sich bereit erklärt, vorerst in der Schweiz zu bleiben. Die meisten möchten in der gegenwärtigen Situation die schwierige Heimreise nach Rumänien oder in die Slowakei nicht auf sich nehmen. Und sie sind froh, ihr Einkommen in der Krise weiterhin sichern zu können. Vier Forscherinnen haben mit Betroffenen Gespräche geführt und die Erfahrungen in der Wochenzeitung vom 07. Mai 2020 publiziert.

Caritas Care macht bei der 24 Stunden Betreuung ähnliche Erfahrungen. Deshalb stehen die regionalen Einsatzleiterinnen wöchentlich im Kontakt mit den Betreuerinnen und Betreuern. Arbeitsverträge wurden wegen Corona keine gekündigt: Personen mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag beziehen weiter ihren Lohn, auch wenn sie in Rumänien oder in der Slowakei blockiert sind. Individuelle Anreisen in die Schweiz sind mit dem Privatauto und einem gültigen Arbeitsvertrag mit Aufenthaltsbewilligung möglich. Es wird aber noch länger dauern, bis die üblichen Transportwege wieder funktionieren.

 

 

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