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Erkenntnisse zum Preis

Die «Stundenweise Unterstützung» sollte es auch armutsbetroffenen Menschen ermöglichen, Hilfe und Begleitung im Alltag in Anspruch zu nehmen. Das Preismodell von Caritas wurde von Fachpersonen als auch den Mitarbeitenden und der Klientel ambivalent eingeschätzt. Selbst ein Fünfliber konnte schwer wiegen. Die Erfahrungen im Pilotprojekt zeigen das Ringen um den Wert der Betreuung im Alter auf und nennen den für die selbst Betroffenen bezahlbaren Preis.

 
 

Hat Betreuung einen Wert?

In den Zwischenevaluationen sowie in den Gesprächen für den Schlussbericht wurde der symbolische Beitrag von fünf Franken von den befragten Fachpersonen grundsätzlich als positiv beurteilt. Der geringe Preis, erlaube es Menschen mit sehr tiefem Einkommen, Betreuung in Anspruch zu nehmen, ohne in einem umständlichen Prozedere bei Ämtern oder dem Sozialdienst als Bittsteller auftreten zu müssen. Nicht von Freiwilligen abhängig zu sein, gäbe eine gewisse Handlungsmächtigkeit, indem auch Armutsbetroffene als Kundinnen und Kunden auftreten könnten. Ausserdem werde den Betreuungsleistungen durch die Bezahlung ein gesellschaftlicher Wert zugesprochen. Der Originalton eines Betroffenen zeigt Verständnis für einen Minimalbetrag. Er erachtet es als gesellschaftlich normal, für eine Leistung zu bezahlen. Ein kostenloses Angebot würde ihm aber die Möglichkeit geben, mehr Unterstützung in Anspruch zu nehmen. «Sie haben gefragt, was ist es dir wert. Für mich ist es viel wert. Aber meine Möglichkeit ist nicht so gross. Ja, [5 Franken] ist ok. Das muss so sein. Das ist das Minimum. [Aber] wenn ich meine Rechnung anschaue, denke ich, es ist zu viel. (…) Manchmal sage ich, nur einmal in der Woche, (…) ich muss [sonst] zu viel zahlen im Monat.» Klientin «Stundenweise Unterstützung».

 

Wie den richtigen Preis finden?

Die höchste Preisstufe von 55 Franken wurde von allen befragten Klientinnen und Klienten unabhängig von ihrer finanziellen Lage als zu teuer eingestuft. Dafür würden sie eine professionelle Fachkraft wie die Spitex erwarten, nicht aber Mitarbeitende von Caritas. Bei den Fachpersonen fiel die Beurteilung der Preisstufen weniger eindeutig aus. Als problematisch erwies sich vor allem die Bewertung darüber, was ein gerechter Preis ist. Da Preise sozial bedingte Grössen sind, sagt die Zahl selbst wenig darüber aus, ob ein Betrag gerechtfertigt sei oder nicht. Verschiedene Fachleute kritisieren, dass Caritas keine Steueranfrage machte, sondern sich auf die subjektive Bewertung der Lebensumstände verliess. Als besonders schwierig erschien ihnen, dass es neben den drei Preiskategorien Zwischenstufen gab, deren Höhe von der Selbsteinschätzung der Hilfe Suchenden abhing. «Ja so 30 oder 40 Franken, das ginge sicher. Aber so 50, das ist wirklich…Putzfrauen schaffen ja auch günstiger.» Klientin «Stundenweise Unterstützung».

 

Muss man im Alter Zeit und Freunde kaufen?

In Bezug auf die Preise der Betreuung wurden in den Gesprächen mit den Fachleuten folgende Bedenken genannt. Geld für Gespräche? Unabhängig von der Preisstufe wurde die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob es angebracht sei, für gemeinsames Kaffeetrinken und Reden Geld zu nehmen. Geld von Armutsbetroffenen verlangen? Einige Fachpersonen gaben zu bedenken, dass für Menschen mit einem kleinen Einkommen selbst ein Stundenansatz von fünf Franken zu viel Geld sei. Freundschaft gegen Geld? Durch das hohe Engagement der Mitarbeitenden, die sich teilweise sehr persönlich um die betroffenen Menschen kümmerten, wurde nach Einschätzungen der Fachleute eine wichtige Vertrauensbeziehung und Nähe geschaffen. Gleichzeitig wurde für dieses «da sein» Geld verlangt.

 

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