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Erkenntnisse zu Kooperationen und zur Konkurrenz

Die beiden Projektstandorte kamen aufgrund von Kooperationen zustande: in Suhr dank der Zusammenarbeit mit dem Netzwerk 50+ der Gemeinde, für den Standort Zürich war der Kontakt zur Liegenschaftsverwaltung ausschlaggebend. Während das Angebot an beiden Standorten eher in Konkurrenz zur Spitex stand, ergab sich in Suhr eine vergleichsweise enge Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst der Gemeinde. In Zürich erfolgten erste Schritte zu einer Kooperation mit privaten Immobilienbewirtschaftern.

 
 

Was ist das Bedürfnis der Gemeinden?

Das Pilotprojekt war für den Sozialdienst buchstäblich «greifbar» und deckte aufgrund seines breiten, flexiblen Inhaltes, der Offenheit gegenüber unterschiedlichen Altersgruppen und seiner Niederschwelligkeit eine offensichtliche Lücke im bestehenden Sozialsystem ab. Nicht zuletzt spielten auch finanzielle Überlegungen eine Rolle: für eine aufwändige Wohnbegleitung oder Abklärungen bei der Psycho-Spitex fallen Stundenansätze an, die erheblich über Fr. 100.- liegen. Der Caritas-Dienst war eine kostengünstige Alternative für den Sozialdienst der Gemeinde.

Die Kooperation mit der Stadt Zürich gelang nicht. Die Stadt Zürich begrüsste zwar die Sichtbarkeit und die Nähe zu den Zielgruppen im Quartier, lehnte aber eine Mitfinanzierung ab. Sie begründete ihre Absage mit dem Leistungsauftrag der Stadt, bei dem die Spitex eine breiten Leistungskatalog für Pflege und Betreuung hat.

 

Wo sieht die Immobilienwirtschaft einen Bedarf?

Caritas suchte die Zusammenarbeit mit Immobilienbewirtschaftern in Suhr und Zürich. Diskutiert wurden sowohl Möglichkeiten einer Siedlungsassistenz als auch Umzugsbegleitungen vorwiegend für ältere Menschen, die ihre Wohnungen wegen Umbau- oder Abbrucharbeiten verlassen mussten. In Zürich kam es mit zwei Immobilienbewirtschaftern zu einer Zusammenarbeit im Rahmen von Umzugsbegleitungen. Sechs weitere Immobilienfirmen wurden angefragt. Sie signalisierten Interesse, ein Auftrag erfolgte jedoch nicht. «Grundsätzlich entsprechen die beschriebenen Leistungen dem, was wir uns für unsere Siedlungen wünschen würden». Leiter Immobilienmanagement.

Generell geht aus den Expertengesprächen und Schreiben der Fachleute hervor, dass sowohl die Umzugsbegleitung als auch die Siedlungsassistenz Zukunftspotenzial haben. Ähnlich äussert sich auch ein Immobilienbewirtschafter – die Idee einer Siedlungsassistenz beinhalte im Kern die Merkmale und Ziele des Projekts «Stundenweise Unterstützung». Es geht um Präsenz im Quartier, die Anwesenheit einer Ansprechperson für Fragen und Anliegen, die Organisation von gemeinschaftlichen Aktivitäten, die Vernetzung von Nachbarn und Freiwilligen, die Organisation von professionellen Dienstleistungen (Reinigung, Wäsche). Als Problem einer solchen Siedlungsassistenz erweisen sich nach Aussagen von Fachleuten die Kosten. Die Befragten gaben zu bedenken, dass die Finanzierung der Leistungen aus gesetzlichen Gründen nicht über die Nebenkostenabrechnung an die Mieterschaft übertragen werden kann.

 

Wo entsteht Konkurrenz?

Mit Einrichtungen, die ähnliche Leistungen wie das Caritas-Projekt erbrachten, gestaltete sich die Zusammenarbeit trotz vereinzelt vorhandener Vereinbarung oder Regelungen eher als ein freundlich-distanziertes Nebeneinander. Dies mag auf den ersten Blick wenig überraschen, da auf beiden Seiten Konkurrenzgründe vermutet werden können. Allerdings würde eine solche Erklärung alleine zu kurz greifen. Aus den Zwischenevaluationen ergaben sich vielmehr drei zentrale Faktoren, die eine Kooperation erschwerten:

Unterscheidung: Für Fachstellen, bei denen es zu inhaltlichen Überschneidungen mit dem Caritas-Angebot kam, war die Einordnung schwierig. Sie hätten ein relativ umfangreiches Wissen über den konkreten Inhalt von «Stundenweise Unterstützung» benötigt, um das Angebot in ihre Dienstleistungen einordnen zu können.

Organisation: Bei Institutionen mit vielen inhaltlichen Überschneidungen musste die Aufgabenteilung in jedem Einzelfall neu geklärt werden. Das war zeitaufwändig und organisatorisch teilweise nicht einfach zu bewerkstelligen.

Vielfalt: Aus der Routine ihrer täglichen Arbeit heraus und nicht zuletzt aus zeitlichen Gründen greifen Fachleute auf Anbieter zurück, die sie kennen und mit denen sie bereits gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit gemacht haben. Ausserdem ist das bestehende Angebot an Betreuungsdiensten auch für Expertinnen und Experten kaum mehr zu überblicken.

 

Was führt zur Kooperation?

Wie aus den Experteninterviews hervorgeht, gelang die Zusammenarbeit zwischen Caritas und den jeweiligen Einrichtungen am ehesten bei Fachstellen und Institutionen, die sich deutlich vom Angebot «Stundenweise Unterstützung» unterschieden. Dies galt beispielsweise für Fachstellen wie das Netzwerk 50+ mit seinem übergeordneten Koordinationsauftrag der Gemeinde Suhr und den Sozialdienst in Suhr. Dies traf ebenso auf die städtische Liegenschaftsverwaltung in Zürich, die selbst keine Betreuungsarbeiten anbietet.

 

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