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Angebot

«Sie haben wirklich Leute erreicht, die sonst durch die Maschen fallen», sagt eine Fachperson im Interview. Obwohl zu Beginn vor allem Menschen im Vierten Lebensalter zur Zielgruppe des Pilotprojekts gehörten, wurden später auch jüngere hilfsbedürftige Personen betreut. In Suhr wurde diese Unterstützung insgesamt 43 Personen zuteil, in Zürich waren es 32 Klientinnen und Klienten, die im Rahmen des Pilotprojekts eine Betreuung in Anspruch nahmen. Die Art der Hilfe veränderte sich aufgrund ihrer Bedürfnisse. Diese Flexibilität im Angebot war beliebt. Die Abgrenzung zu anderen Betreuungs-Angeboten wurde dadurch zur Herausforderung.

 
 

Welche Hilfe wird gebraucht?

Neben der ursprünglich vorgesehenen hauswirtschaftlichen und psychosozialen Unterstützung kamen im Verlauf des Pilotprojekts zunehmend andere Dienstleistungen hinzu: Die Mitarbeitenden halfen bei der Administration, sorgten für körperliche Bewegung oder begleiteten zum Arzt. Diese flexiblen, offenen Inhalte waren in doppelter Hinsicht ein wichtiger Bestandteil der Unterstützung. Zum einen beschränkt sich Hilfe im Alltag oft auf nicht klar abgrenzbare Handlungen. Die Aufgaben fliessen vielmehr ineinander über. Unterstützung im Alltag benötigt deshalb einen offenen Gestaltungsrahmen mit einer flexiblen Anpassung der Hilfe.

Zum anderen fordern hilfsbedürftige Menschen zunächst eher Hilfe für konkrete, nach aussen sichtbare Leistungen an, wie etwa Unterstützung beim Einkaufen, bei der Reinigung oder beim Wäschewaschen. Erst wenn ein Vertrauen besteht, zeigt sich das Bedürfnis nach zuhören oder «einfach da sein».

«In erster Linie geht es ums Reden. (...). Post, Einzahlungen, das mache ich alles auch. Aber bei jedem musst du zuerst eine halbe Stunde sitzen und zuhören. (…) Der Aufhänger ist die Gartenarbeit, ich brauche jemanden, der mir die Blumen tränkt, weil ich die Giesskanne nicht mehr tragen kann (…) erst nachher merkt man plötzlich, uii, der ist auch viel alleine.» Mitarbeiterin «Stundenweise Unterstützung»

 

Welche Kompetenzen braucht das Personal?

Diese Dienstleistung ist in hohem Masse davon abhängig, dass die Mitarbeitenden persönliche Fähigkeiten mitbringen, die es ihnen erlauben, offen und wertschätzend mit Menschen in schwierigen

Lebenslagen umzugehen. Aus den Interviews mit den Klientinnen und Klienten geht hervor, dass die

Caritas-Mitarbeitenden diese Beziehungsfähigkeit mitgebracht haben. Hervorgehoben wurde auch ihre alltagspraktische Kompetenz.

«Ich habe es gut getroffen, sie ist eine Tüchtige, man kann sich ihr gut anvertrauen. Ja, sie ist ganz gut, sie ist 'durch' was so schriftliche Sachen sind.» Klientin «Stundenweise Unterstützung»

Gerade in dieser Breite an Inhalten und Zielgruppen liegen aber auch wesentliche Herausforderungen

des Projekts. Zum einen werden neben hohen persönlichen und sozialen Kompetenzen der

Mitarbeitenden auch gewisse Fachkenntnisse relevant, um professionell auf die vielfältigen

Bedürfnisse und die komplexe Lebenssituation der betreuten Menschen einzugehen. Für ähnliche Projekte wäre ein stärkerer Mix des Personals relevant, der neben Personen ohne formale Ausbildung auch Mitarbeitende mit einer entsprechenden Fachausbildung einschliesst.

 

Wo ist die Lücke im Betreuungs-Markt?

Die Offenheit für unterschiedliche Altersgruppen und Formen der Unterstützung erwies sich für die befragten Fachpersonen in Suhr und Zürich als zentraler Pluspunkt des Caritas-Projekts:

« …sie haben (…) Leute erreicht, die nie sonst irgendwohin gehen würden, sich beraten lassen würden. Also anspruchsvolle Menschen. Es gibt auch präventive Beratungsstellen, die ältere Menschen besuchen, die müssen sich aber melden. Caritas hat versucht, in eine Nische zu gehen, nicht so amtsschimmelmässig.» Fachbereichsleiterin öffentliche Verwaltung, Soziales

Die von den Caritas-Teams unterstützen Menschen befanden sich in verschiedenen Lebenssituationen und hatten ganz unterschiedlichen Bedarf an Unterstützung: jüngere Personen, die Hilfe beim Erlernen von Alltäglichkeiten wie Busfahren benötigen; eine unterstützungsbedürftige Person mittleren Alters, die in der eigenen Wohnung leben möchte; ältere Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen, die jemanden zum Reden brauchen; Menschen, die auf Ämter begleitet werden mussten.

 

Wie viel ist aus einer Hand möglich?

Die inhaltliche Breite und die Offenheit des Pilotprojekts gegenüber verschiedenen Altersgruppen war für die Klientinnen und Klienten ein Vorteil. Für die Zusammenarbeit mit der Spitex war es ein Nachteil: Sie konnte keine klare Abgrenzung zu ihrem eigenen Angebot erkennen. Die inhaltliche Breite und die verschiedenen Zielgruppen waren für Aussenstehende schwierig zu fassen. Das erschwerte die Zusammenarbeit. Für die Werbung war die Breite des Angebots eine Herausforderung.

 

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