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In Würde leben – bis zuletzt

Veronika Sulzer-Tschudi war die erste betagte Person die im Caritas-Projekt «In guten Händen» von Care-Migrantinnen betreut wurde. Nun ist sie 92-jährig in ihrem Zuhause in Dielsdorf gestorben.

Nach dem Tod ihres Mannes war plötzlich alles anders im Leben von Veronika. Gewohntes brach weg, Verunsicherung schlich sich ein in ihr Leben und dann hatte Vroni, wie sie von allen genannt wurde, einen Demenzschub. Da war er nun, dieser Moment. Ein selbständiges Leben zu Hause war nicht mehr möglich, aber mit ihren Kindern hatte sie nie darüber gesprochen, was in diesem Fall zu tun sei. Ihre Devise lautete: «Es kommt, wie es kommt», erzählt die älteste Tochter Christine Wetter. Sie erinnert sich, wie sie damals im Spitaleingang stand und auf ihrem Handy verzweifelt nach einer Lösung gegoogelt hatte. «Dabei bin ich auf das Caritas-Projekt ‹In guten Händen› gestossen und habe die Nummer gewählt.» Maria war die erste Betreuerin, die aus dem Caritas-Netzwerk in Rumänien zu Vroni nach Dielsdorf kam. Würde Vroni die Fremde in ihrem Haus akzeptieren? Die Kinder hatten grosse Zweifel, aber die Frau aus Siebenbürgen zerstreute sie alle: «Maria hat unserer Mutter die nötige Zeit gegeben, um sich an die neue Situation zu gewöhnen», sagt Christine Wetter heute.

Zwei Töchter einer von Caritas Care betreuten Frau sitzen im Garten und erzählenAus Fremden werden Vertraute

Immer nach drei Monaten, wenn die Betreuungsperson ab- und eine neue anreiste, kam das Unbehagen zurück. «Mutter hat es nicht allen leicht gemacht. Manchmal sind Tränen geflossen», sagt Christines Schwester Anna Hanimann. Deshalb machte es alle fünf Kinder sprachlos zu sehen, wie am Ende doch eine Caritas-Betreuungsperson nach der anderen Vroni das Herz öffnete: Maria, die den Anfang machte, Zoltan, mit dem sie gerne schäkerte, Heni, die bei Vroni ein bisher unbekanntes Interesse an Mode weckte, Katalin, die Vertraute, die insgesamt sieben Mal da war – und sieben weitere Care-Migrantinnen, die mit Vroni Spaziergänge durch den geliebten Garten machten, mit ihr buken und für sie kochten. Nie haben sie Vroni die Rolle als Gastgeberin streitig gemacht. «Sie haben sich jedes Mal für das Essen bedankt und ihr so das Gefühl vermittelt, dass sie bei ihr zu Besuch sind», erklärt Anna. Vroni im Gegenzug hat ihnen die deutsche Sprache nähergebracht. «Dieser Austausch war belebend für unsere Mutter und für uns. Er hat dafür gesorgt, dass die Gespräche nicht mehr nur um Pflegethemen kreisten», erinnert sich Anna. Die fünf Geschwister sind dankbar, dass ihre Mutter im späten Alter noch viele liebevolle Beziehungen pflegen konnte. Christine sagt: «In der letzten Lebensphase war unsere Mutter einfach zufrieden.»

 

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