Auf Besuch in Siebenbürgen in Rumänien

Eine Delegation von Caritas Care reiste nach Siebenbürgen in Rumänien zu unserer Partnerorganisation Caritas Alba Iulia. Während unseres Aufenthaltes durften wir die Fachhochschule Vorarlberg bei einer Studienwoche begleiten. Wir nahmen an interessanten Interviews teil, besuchten Pflegeinstitutionen und lernten die Teams vor Ort kennen.

Seit über zehn Jahren arbeiten Caritas Schweiz und Caritas Alba Iulia erfolgreich zusammen. Caritas Alba Iulia ist Mitglied des Caritasverbands Rumänien und beschäftigte im Jahr 2019 rund 580 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Freiwillige. Die Organisation ist ein wichtiger Wegbereiter für die Entwicklung professioneller sozialer Dienste in Rumänien und einer der Hauptanbieter in der Region Siebenbürgen.

 

Bild: Die Kleinstadt Mircurea Ciuc mit dem Dom im Hintergrund. Direkt neben dem Dom befindet sich das Caritas-Bildungshaus, in dem wir während der Woche untergebracht waren.

 

Stärkung der Landwirtschaft

Zusätzlich zu ihrem Engagement in der Pflege unterstützt Caritas Alba Iulia Personen in traditionellen ländlichen Gebieten, indem sie die Lebensbedingungen vor Ort verbessern. Sie wollen die gesellschaftsgestaltende Rolle und den Wert der Landwirtschaft erhalten und sprechen dabei Bäuerinnen und Bauern, Jugendliche sowie arbeitsuchende Personen an, die in ländlichen Gebieten wohnen.

 

Politisches Engagement

Auf politischer Ebene setzt sich Caritas Alba Iulia für neue Lösungen in der Pflege in Rumänien ein. Heute gibt es keine obligatorische Krankenversicherung, die Pflegebedürftigkeit abdeckt. Deshalb arbeitet Caritas Alba Iulia eng mit den Gemeinden ihrer Region zusammen. So ist es ihr gelungen mehrere grössere und kleinere Pflegeheime und Tageszentren aufzubauen.

 

Zahlreiche Interviews zeigen Schwierigkeiten und Mehrwert des Angebots

Die Studienwoche der Fachhochschule Vorarlberg unter der Leitung von Prof. (FH) Dr. Erika Geser-Engleitner hatte zum Ziel die Zusammenarbeit von Caritas Schweiz und Caritas Alba Iulia und die Wirkung unserer Arbeit zu überprüfen. Nach drei Jahren ohne persönlichen Kontakt aufgrund Covid haben wir diesen Anlass gerne genutzt, um unsere Partner persönlich vor Ort zu treffen.

Wir bekamen die Chance an vielfältigen Interviews mit Betreuenden, Teamleitungen, Angehörigen aber auch dem Leiter der Pflegeinstitutionen (Peter György) und dem Direktor von Caritas Alba Iulia (Andras Marton) teilzunehmen. Auch wir vom Team Caritas Schweiz wurden zum Angebot kritisch befragt.

Die Interviews zeigten uns hautnah auf, wo es Schwierigkeiten gibt und wo unser Angebot einen deutlichen Mehrwert bietet.

 

Horizonterweiterung für Betreuungspersonen

So wurde mehrfach von Pflegeleitungen betont, dass die Betreuungspersonen nach ihrer Rückkehr aus der Schweiz mehr Offenheit, Flexibilität und zum Teil mehr Selbstbewusstsein mitbringen.

Mit einem Augenzwinkern wurde auch die Pünktlichkeit als Wert erwähnt, welchen die Betreuungspersonen von der Arbeit in der Schweiz mit nach Hause bringen.

 

Zusätzliches Teilzeitpersonal nötig

Eine Schwierigkeit stellt die Ersatzplanung der ausfallenden Betreuungspersonen dar, welche in der laufenden Arbeit in Siebenbürgen fehlen. Hier hat Caritas Alba Iulia eine gute Lösung gefunden. Durch die Anstellung von zusätzlichem Teilzeitpersonal konnte diese Lücke geschlossen werden.

Ebenso wurden die Transportmöglichkeiten von Siebenbürgen bis in die Schweiz immer wieder thematisiert. Die gängigste und günstigste Variante ist der Transport mit Kleinbussen-. Diese bringen die Reisenden von Tür zu Tür und es ist Platz für genügend Gepäck vorhanden. Dafür dauert die Reise über 20 Stunden. Die Mehrheit der Pendlerinnen nehmen diese anstrengende und lange Reise in Kauf, da die Anreise mit dem Flugzeug zwar einfach und bezahlbar wäre, aber die Reise vom Flughafen bis zum Einsatzort in der Schweiz oft grössere Hürden darstellt.

 

Bild: Interviewsituation mit Studierenden der Fachhochschule und dem Direktor von Caritas Alba Iulia.

 

Das Bildungshaus Jakab Antal

Das vor zwanzig Jahren eröffnete Jakab Antal Haus wird seit 2016 von der Caritas Alba Iulia geführt. Das Bildungshaus hat Räumlichkeiten für internationale Konferenzen sowie kulturelle und spirituelle Veranstaltungen. Zudem bietet es Unterkunft und Verpflegung für Pilger und Gruppen an. Unsere Gruppe durfte während einer Woche hier logieren. Direkt hinter dem Bildungshaus befindet sich eine Tagesstätte für demenzkranke Menschen und eine Kleiderzentrale.

 

Bild: Vor dem Jakab Antal Haus, von links nach rechts: Prof. Erika Geser-Engleitner Dozentin der FH Vorarlberg und Verantwortliche der Forschungswoche, Fritz Mayrhofer ehemaliger Wirtschaftsdirektor Caritas Linz, hier als Reiseleiter und Rumänien-Experte dabei, Gudrun Michel, Leiterin Caritas Care in der Schweiz, Tobias Holzgang, Verantwortlicher für Kooperationen Osteuropa bei Caritas Schweiz , Andras Marton Direktor Caritas Alba Iulia, György Peter, Direktor der Pflege Caritas Alba Iulia. 

 

Altenpflege in Siebenbürgen

Wir lernten bei unserem Besuch verschieden Wohn- und Betreuungsformen der Alterspflege kennen. Wir besuchten das Zentrum Heiliger Lukas, das Platz bietet für 32 Personen. Das ehemals für andere Zwecke gebaute Gebäude beeindruckt durch seinen offenen Eingangs- und Begegnungsraum.

Ebenso besuchten wir das Team der «mobilen Dienste» in Gheorgheni. Die mobilen Dienste funktionieren ähnlich wie die Spitex-Organisationen in der Schweiz. Wir trafen auf ein sehr engagiertes Pflegeteam, das über viel Erfahrung mit Einsätzen in der Schweiz verfügt. Einige pendeln bereits seit vielen Jahren und erzählten uns bereitwillig von ihren Erfahrungen. Besonders beeindruckend waren die Fotos vom Hausbau einer Betreuerin , dass sie im Laufe der Jahre verwirklichen und damit die ganze Familie unterstützen konnte.

 

Das Altenheim "Sfânta Elisabeta"

Im Altenheim "St. Elisabeta", welches ebenso in Gheorgheni liegt, wurde eine eigene Ebene für Menschen mit Demenz eingerichtet. Die Verzögerung des Abbaus der geistigen Fähigkeiten ist eines der Ziele der Leitung und ihres Teams. Auch Angehörige von Demenzkranken werden mit persönlicher Beratung und der Möglichkeit zur Teilnahme an Alzheimer-Café-Veranstaltungen unterstützt, die ihnen neue Sichtweisen bieten. Es leben über 170 Menschen im Altersheim. Davon sind über die Hälfte an Demenz oder Alzheimer erkrankt.

 

Mit viel Leidenschaft und Energie

Gabriella Kiss arbeitet seit 26 Jahren bei Caritas Alba Iulia, leitet das Altenheim und ebenso die Alzheimer-Cafés. Sie ist eine Person, die die Menschen berührt. Im Austausch und Interview mit ihr spürten wir immer wieder, wie wichtig es ihr ist, den Mensch zu erreichen und nicht nur mit einer Krankheit umzugehen. Ihr geht es um Menschenwürde und Achtung. Sie schrieb ihre Doktorarbeit zum Thema Demenz und die Belastung der Angehörigen. Gabriella war selbst vor einigen Jahren in einem Einsatz in der Schweiz. Zur Partnerschaft der Caritas-Organisationen meint sie: «Die Arbeit in der Schweiz ist für die Betreuerinnen eine Chance. Sie lernen sehr viel und können dieses Wissen bei ihrer Arbeit in der Heimat anwenden.»

 

Bild: Doktor Gabriella Kiss (Mitte), Leiterin des Altenheim St. Elisabeta mit zwei hochaltrigen Bewohnerinnen

 

Was bewirkt die Zusammenarbeit?

Die Zusammenarbeit von Caritas Care und Caritas Alba Iulia hat bereits über 150 Personen aus Rumänien die Möglichkeit gegeben einen Einsatz in der Schweiz zu leisten. In der Schweiz kann so eine Dienstleistung mit sehr hoher Kundenzufriedenheit angeboten werden. Das Angebot macht es möglich, dass ältere Menschen länger in den eigenen vier Wänden wohnen können.

 

Abwanderung verhindern und Möglichkeiten eröffnen

In Rumänien bewirkt das Projekt, dass die Betreuungspersonen erhalten bleiben und nicht dauerhaft abwandern. Im europäischen Caritas-Netzwerk gilt unser Angebot «Betreuung zuhause» als Vorzeigemodell, um den Verlust von qualifiziertem Pflegepersonal in den Herkunftsländern, wie Rumänien, zu reduzieren. Dank der finanziellen Mittel, die durch das Angebot «Betreuung zuhause» an Caritas Alba Iulia zurückfliessen, können jedes Jahr Weiterbildungen (wie beispielsweise Kinästhetik-Kurse) für das Personal organisiert werden. Die Teams haben durch diese Mittel ausserdem die Möglichkeit sich für den Ausfall von Personal zu entschädigen und die Zusammenarbeit im Team zu verbessern. Zuletzt kann Caritas Alba Iulia Eigenmittel erwirtschaften, welche sie bei Projekteingaben verwenden kann, um neue, grössere Projekte zu finanzieren.

 

 

Teilen Sie diesen Beitrag