Auf Besuch in der Slowakei

Das Team von Caritas Care reiste in die Slowakei zu unserer Partnerorganisation „Spišská katolícka Charita“ (im nachfolgenden Caritas Spis genannt). Die Liste ihrer Projekte ist lang: Mobile Dienste, ein Alterszentrum und ein Hospiz sind nur drei Beispiele von Projekten, die wir besuchen durften. Die interessante Reise zeigte uns nicht nur die vielseitige Arbeit von Caritas Spis, sondern auch, wie wichtig die Zusammenarbeit im Rahmen der «24 Stunden Betreuung» ist.

Die langjährige Zusammenarbeit zweier Caritas-Organisationen

Seit mehr als sieben Jahren besteht im Rahmen der Caritas „24 Stunden Betreuung“ eine Zusammenarbeit zwischen der Caritas Spis in der Slowakei und Caritas Schweiz. Das Ziel: den Pendelmigrantinnen und -migranten einen temporären Einsatz in der Schweiz unter fairen und legalen Bedingungen zu ermöglichen und dabei den Lebensmittelpunkt im Heimatland zu behalten. In der Praxis bedeutet dies, dass Betreuungspersonen, die im Heimatland bei einer Caritas-Partnerorganisation angestellt sind, ihre Anstellung behalten und nach dem Einsatz in der Schweiz an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Zudem soll damit der Abwanderung qualifizierten Personals aus osteuropäischen Ländern in den Westen entgegengewirkt werden.

 

Wieso reisten wir in die Slowakei?

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Caritas-Organisationen soll in den nächsten Jahren intensiviert und optimiert werden. Nach zahlreichen virtuellen Zusammenkünften ist die Zeit für ein persönliches Treffen gekommen. Der Zweck des Besuchs ist das gegenseitige Kennenlernen, die Ausarbeitung der letzten Details der Vereinbarung zur Zusammenarbeit, sowie ein Einblick in die tägliche Arbeit der Caritas Spis und die damit verbundenen Herausforderungen.

Trotz des geschäftlichen Hintergrunds der Reise darf bei einem Besuch der Ostslowakei ein bisschen Sightseeing nicht fehlen. Die Hauptattraktion hätten wir auch keinesfalls übersehen können: die Gipfel der Hohen Tatra ragen wie spitze Zähne an der Grenze zu Polen in den Himmel. Im Kontrast dazu stehen die goldig leuchtenden Lärchenwälder, die im prächtigen Herbstwetter ihren ganzen Glanz entfalten.

 

Über die Caritas Spis

Mit ungefähr 600 Mitarbeitenden und mehr als 4‘000 Klienten ist die Caritas Spis die grösste der slowakischen Caritas-Organisationen. Die Caritas Spis engagiert sich in verschiedenen Bereichen. So gibt es Einrichtungen für Erwachsene und Kinder mit Behinderungen, für Mütter mit Kindern, alte Menschen und ein Hospiz. Ergänzt wird das Angebot im Bereich Pflege und Betreuung durch die Mobilen Dienste sowie eine Schule und Kindergarten für Kinder mit einer Behinderung.

Auch Familien und obdachlose Menschen werden von den Mitarbeitenden oder Freiwilligen der Caritas unterstützt. Es gibt mehrere Sozialberatungsstellen für Familien sowie mobile Sozialarbeit, im Rahmen derer Familien und obdachlosen Personen beispielsweise Lebensmitteln und Kleidung zur Verfügung gestellt werden.

Zudem leistet die Caritas Spis Nothilfe bei Katastrophen und bietet zusätzliche Dienstleistungen an, wie beispielsweise Bücherläden, eine Apotheke und ein Erholungszentrum in der Hohen Tatra.

 

Mobile Dienste zur Pflege und Betreuung in den eigenen vier Wänden

Die Mobilen Dienste werden in Zusammenarbeit mit Gemeinden angeboten und ein Teil der Kosten durch diese finanziert. Die Caritas Spis betreibt 12 Stützpunkte für mobile Pflege, 10 Stützpunkte für mobile Hospize und 24 Stützpunkte für mobile Betreuung.

Beim Stützpunkt in Poprad sind aktuell vier ausgebildete Krankenschwestern für über 100 Klienten und Klientinnen zuständig. Den Zeitdruck, unter dem die Fachfrauen stehen, haben wir bei einem Hausbesuch hautnah miterlebt.

   Bild: Auf Hausbesuch mit den Mobilen Diensten                                     

 

Alterszentrum Dom Charitas sv. Jan Bosco

Beim Alterszentrum in Spišská Kapitula handelte es sich ursprünglich um ein Alters- und Pflegeheim für Geistliche. Mittlerweile gibt es auch weltliche Bewohner. Das Heim liegt unweit von der imposanten Kathedrale des heiligen Martins. Der Aussenbereich der Einrichtung lädt mit einem Teich, einem Pavillon und dem eindrücklichen Ausblick zur Spišský hrad zum Verweilen ein. Der grosse Gemüsegarten wurde in früheren Zeiten zur Selbstversorgung genutzt. Geplant war, dass die Bewohner des Heims bei einfachen Gartenarbeiten mithelfen können. Dies lässt sich aufgrund des schlechten Gesundheitszustands der Bewohner jedoch nicht umsetzen. Auf dem hauseigenen Friedhof finden ehemalige geistliche Bewohner des Heims ihre letzte Ruhe.

Bild: Mit dem Direktor des Alterszentrums Dom Charits sv. Jan Bsoco, Dušan Galica

 

Betreuung im Tageszentrum

Im Tageszentrum in Nova Ves betreut Caritas Spis bis zu 50 Personen täglich. Dabei werden nicht nur alte und kranke Menschen betreut, sondern auch beispielsweise jüngere Personen mit Beeinträchtigung. Caritas Spis verfügt über einen Fahrdienst, welcher die Personen am Morgen zuhause abholt und abends wieder nachhause fährt. Täglich werden verschiedene Aktivitäten drinnen und draussen geplant und durchgeführt. Leider konnten wir das Tageszentrum aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht von innen besuchen.

 

Hospiz St. Elisabeth und seine durchdachte Architektur

Eine der eindrücklichsten Stationen unserer Reise war der Besuch im Hospiz St. Elisabeth in Kežmarok. In dieser Einrichtung werden sterbende Patienten gepflegt, betreut und begleitet. Beim Bau des Gebäudes wurden verschiedene Faktoren berücksichtigt, um den Patienten und ihren Angehörigen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. Das Haus ist voller Licht und Wärme. Die hauseigene Kapelle und der Aussenbereich sind so angelegt, dass sie auch für bettlägerige Patienten zugänglich sind. Angehörige haben die Möglichkeit, über längere Zeit bei ihren Liebsten zu bleiben. Und immer, wenn eine Person die Welt verlässt, wird das grosse Holzkreuz im Garten beleuchtet.

Bild: Hospiz St. Elisabeth

 

Ein neues Projekt: Verwaltung einer Pension

Gelegen im Gebirge der wunderschönen Hohen Tatra verwaltet Caritas Spis eine Pension samt Grundstück für den örtlichen Bischof. Die Pension beinhaltet neben einem schönen Ausblick und einer grossen Anzahl Zimmer eine Kantine sowie eine Kapelle. Zudem werden in der Küche zum Teil Mahlzeiten für die Kinderhäuser und Altersheime zubereitet. Die Pension und das Grundstück wurden erst vor kurzem von Caritas Spis übernommen. Caritas Spis möchte nun die Pension weiterentwickeln und das Angebot, beispielsweise mit einem Kongresszentrum, erweitern.

 

Die Zentrale von Caritas Spis

Die Zentrale von Caritas Spis befindet sich in der Stadt Spišská Nová Ves und beheimatet Dienste wie die Personaldienste, die Buchhaltung sowie verschiedene Kooperationsprojekte. Auch die Ansprechpartner von Caritas Schweiz arbeiten in Nová Ves. Hier laufen die Fäden aus den vielseitigen und regional verteilten Angeboten von Caritas Spis zusammen.

Bild: Das Team von Caritas Spis zusammen mit den Gästen aus der Schweiz.

 

Migration von Fachkräften als grosse Herausforderung

Bei unseren Gesprächen mit den Mitarbeitenden von Caritas Spis wurde uns von den Herausforderungen in der täglichen Arbeit berichtet. Alle Mitarbeitenden kennen Personen, die die Slowakei für die Arbeit ins Ausland verlassen haben. Dadurch entsteht ein grosser Druck auf Caritas Spis qualifizierte Mitarbeitende zu finden. Gerade Personen mit einer tertiären Pflegeausbildung sind äusserst begehrt im slowakischen Arbeitsmarkt. Jedoch sind es diese Personen, die das Land nach Abschluss der Ausbildung verlassen. Zudem sind die Dienstleistungen von Caritas Spis sehr gefragt. Beispielsweise ist das Hospiz immer voll belegt und es gibt eine lange Warteliste.

 

Was bewirkt die Zusammenarbeit?

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Caritas Spis sind über 30 verschiedene Betreuungspersonen in die Schweiz gekommen. Die Zusammenarbeit erlaubt es Betreuungspersonen eine weitere Einkommensquelle zu erschliessen, ohne dabei ihre Arbeit im Heimatland aufzugeben. Zudem werden durch die Zusammenarbeit Aus- und Weiterbildungen für die Betreuungspersonen organisiert. Caritas Spis konnte während der Corona-Pandemie ausserdem mit den Geldern aus der Zusammenarbeit Schutzkleider für das Personal der Mobilen Dienste und der Pflegeheime kaufen.

 

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